Marne
Jean Jaurès - Via Wikimedia Commons
Friday, 31 July, 1914

 

Nach dem österreichisch-ungarischen Erzherzog Franz-Ferdinand fällt auch Jean Jaurès einem Attentat zum Opfer, wodurch die Welt in einen Konflikt getrieben wird, wie es ihn noch nie gegeben hat. Am Abend des 31. Juli 1914 sind im Café du Croissant, Rue de Montmartre in Paris zwei Schüsse zu hören, der sozialistische Vorsitzende bricht tot zusammen, und ein Mann namens Raoul Villain wird festgenommen. 
 
Der Sohn eines Angestellten am Zivilgericht in Reims, Raoul Villain ist ein Einzelgänger und hatte stets mit Ärger zu kämpfen: schwierige Familienverhältnisse, eine komplexe Schulzeit, Ausmusterung beim Militär, Misserfolg als Landwirt. Er hegt eine besondere Bewunderung für Jeanne d’Arc und den Klerikalismus, und ist Gegner des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat (Juli 1905). Er beginnt in Paris mit einer Ausbildung zum Archäologen und schließt sich der Liga der Freunde von Elsass und Lothringen an. Von Mystik und Nationalismus geprägt glaubt er an einen göttlichen Auftrag: die Rettung Frankreichs! In Jean Jaurès sieht er den Gegner, den es zu eliminieren gilt.
 
Das Urteil fällt am 24. März 1919, und zur allgemeinen Überraschung wird er wegen Demenz freigesprochen. Er beendet sein Leben auf Ibiza, wo er 1936 von Republikanern erschossen wird. 
 
Am Tage seines 29. Geburtstages am 19. September 1914 sitzt er im Gefängnis und weiß deshalb nicht, dass das Bauwerk, das er stets ganz besonders bewundert hat, nämlich die Kathedrale in Reims zum Entsetzen der ganzen Welt in Flammen steht.
 
Heute ist der Grabstein der Familie Villain im Norden von Reims nach wie vor zu sehen, und sein Name steht an der Seite jenes seiner Großmutter, zu deren Beisetzung er am 24. Juli 1914 nach Reims gekommen war.
 
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